Mittelalterliches Spectaculum

Veranstalter wollen Teile der historischen Burg freilegen

Rund 10.000 Menschen feiern am Wochenende das Mittelalter auf dem Göttinger Hagenberg. Die Organisatoren haben ein Ziel: Sie wollen einen Teil der frühmittelalterlichen Burganlage freilegen.

Göttingen – Rund 10.000 Menschen besuchen das dritte „Spectaculum Pfalz Grona“ auf dem Göttinger Hagenberg. Die Veranstalter wollen die historische Burganlage sichtbarer machen.

Dudelsackklänge sind zu hören, ein Gaukler zieht über das Gelände und nebenan dreht sich ein Karussell, allerdings nicht mit Motor, sondern mit Muskelkraft. Der Hagenberg rund um die Friedenskirche hat sich am vergangenen Wochenende wieder in das Mittelalter verwandelt.

Mehr als 10.000 Besucher kommen zum dritten mittelalterlichem Spectaculum in Göttingen

Beim dritten „Spectaculum Pfalz Grona“ konnten Besucherinnen und Besucher zwei Tage lang in vergangene Zeiten eintauchen. Am Ende kamen mindestens 10.000 Menschen.

Mehr als 50 Aussteller und Künstler hatten ihre Lager, Stände und Attraktionen rund um die Friedenskirche aufgebaut. Es gab Kunsthandwerk, Schmiedearbeiten, mittelalterliche Speisen und Getränke, Musik, Theater, Zauberei und zahlreiche Angebote für Kinder. Minnesänger und Sackpfeifenspieler sorgten für die passende Geräuschkulisse.

Besonders bei Kindern beliebt war das historische Holzkarussell. Acht Pferde und zwei Wagen drehen sich auf der zwölf mal zwölf Meter großen Anlage. Einen Elektromotor sucht man vergeblich. Stattdessen wird das Karussell von drei Menschen angetrieben. Eine Fahrt kostete vier „Taler“.

Auch Tiere waren auf dem Hagenberg zu sehen. Falkner Detlev Kerkmann aus Wipperdorf bei Nordhausen hatte sein drei Jahre altes amerikanisches Wüstenbussard-Weibchen Thrud dabei. Für viele Besucher war der imposante Greifvogel ein beliebtes Fotomotiv. Mit drei Alpakas war Nicole Ludolf aus Witzenhausen angereist. Sie erklärte den Besuchern nicht nur Wissenswertes über die Tiere, sondern bot auch Produkte aus deren Wolle an. „Die Wolle des Alpakas ist fein wie eine Spinnenwebe und hohl wie ein Strohhalm“, erklärte sie. Aus der eigenen Wolle werden unter anderem Socken, Bettdecken und Kissen hergestellt.

Unter den Besuchern des Spectaculums waren auch Nadine und Thomas Stephan aus Holtensen, die mit ihren Kindern Leonie (7) und Nico (4) auf den Hagenberg kamen. „Wir waren letztes Jahr schon hier und fanden das richtig toll. Und es ist noch größer geworden“, sagte Thomas Stephan. Leonie gefiel besonders, dass man Pferde basteln konnte. Auch die Alpakas und Ziegen hatten es den Kindern angetan.

Nicht alle Besucher kamen in Alltagskleidung. Jenny aus Einbeck war mit ihren Bekannten Marion und Christian aus Göttingen unterwegs – alle drei in mittelalterlichen Gewändern. Dabei legt Jenny Wert auf eine bestimmte Bezeichnung: Sie seien nicht „verkleidet“, sondern „gewandet“. Jenny ist Mitglied in einem Mittelalterverein bei Hildesheim und besucht regelmäßig entsprechende Märkte.

Veranstalter haben ein klares Ziel: Teile der Burg sollen freigelegt werden – die Kosten zahlen sie

„Schönes Wetter, schöne Menschen, schöne Stände, gute Stimmung“, fasste sie ihren Eindruck zusammen. Für Marion war das Spectaculum in Göttingen dagegen eine Premiere. Christian bezeichnet sich eher als Fantasy-Wikinger. Er besucht gerne Konzerte und würde sich für die Zukunft noch bekanntere Bands wünschen.

Auf der Bühne sorgte an beiden Tagen unter anderem die Fantasy-Folk-Band Reigenwillig für Musik. Am Samstagabend wurde es besonders voll. Zum Abschluss des Tages lockte eine Feuershow die Besucher auf den Festplatz.

Doch hinter dem Spektakel steckt ein ernsteres Anliegen: Die Veranstalter wollen an die Geschichte des Hagenbergs und insbesondere an die frühmittelalterliche Pfalz Grona erinnern. Neben dem Markt gab es deshalb Vorträge über die historische Anlage, Führungen und eine Ausstellung mit neuen Erkenntnissen zur Pfalz. Besucher konnten zudem den Turm besteigen und sich über das Gebiet informieren, auf dem einst die kaiserliche Anlage stand.

Spectaculum erinnert an historische Geschichte des Hagenbergs und die frühmittelalterliche Pfalz Grona

Auch für Kinder gab es einen historischen Zugang: Schülerinnen und Schüler der Hagenbergschule hatten ein Modell der Burg gebaut. Bei einer Schnitzeljagd konnten junge Besucher außerdem dem „verlorenen Schatz von Heinrich II.“ auf die Spur kommen.

Für Hauptorganisator Thomas Danneboom geht es inzwischen um mehr als eine Veranstaltung. „Wir möchten mit den Mittelaltermärkten die alte Burg Grona wieder sichtbar machen“, sagt er. Aus diesem Wunsch sei inzwischen ein konkretes Ziel geworden: Ein Teil der historischen Burg soll wieder ausgegraben werden.

Durch Bodenradarmessungen sei inzwischen bekannt, wo sich Teile der Anlage befinden. „Wir versuchen, die Stadt zu überzeugen, mitzugehen. Wir bezahlen die Ausgrabung, die Stadt muss das Okay aus stadtarchäologischer Sicht geben“, erklärt Danneboom. Die Veranstalter betonen dabei die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Göttingen und der Friedenskirche, die Flächen für das Fest zur Verfügung stellt. Auch Vereine wie ein Sportverein und der Nachbarschaftsverein unterstützen das Spectaculum.

Möglich ist die Veranstaltung hauptsächlich durch ehrenamtliches Engagement. Mehr als 120 Helferinnen und Helfer waren im Einsatz. Ob es im kommenden Jahr eine vierte Auflage geben wird, ist deshalb bislang nicht sicher. Entscheidend sei, ob wieder genügend Helferinnen und Helfer gefunden werden. Größer geworden ist das Spectaculum bereits von Jahr zu Jahr.

HNA vom 31.8.26, 10Uhr von Stefan Rampfel

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