„Begegnung durch Bewegung“

Feriencamp der SG Grün-Weiß Hagenberg lässt Kinderaugen strahlen / Verein möchte Integrationsarbeit leisten

Göttingen.

Vier Wochen lang konnten sich Kinder und Jugendliche aus der Göttinger Weststadt auf dem Hagenberg austoben. Die SG Grün-Weiß Hagenberg richtete in den Sommerferien auf dem dortigen Sportgelände ein Sommercamp für Jungen und Mädchen aus. Bei verschiedenen Sport- und Kulturangeboten konnten die jungen Leute ihre Ferien in Gesellschaft verbringen.

Doch nicht nur das: Durch das Sommercamp sollten die Kinder während der Ferien nicht nur Zeit zum Vergnügen haben. Weil an dem Sommercamp viele geflüchtete Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft an der Europa-Allee dabei sind, soll es einen Beitrag zur Integration leisten.

Sport als Integrationsmittel

„Das ist hier eine Maßnahme für die persönliche und soziale Entwicklung der Kinder. Wir nutzen hier Sport als integratives Mittel“, sagt Organisator und Betreuer Dennis Meyer von Grün-Weiß Hagenberg. Knapp 190 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren nahmen an dem Camp teil. Knapp zwei Drittel von ihnen sind Geflüchtete.

Bei verschiedenen Sportarten wie Fußball, Handball, Tischtennis, Bogenschießen und Basketball sowie kulturellen Angeboten wie Theaterbesuchen sollten Kinder und Jugendliche aus verschiedenen sozialen Herkünften zusammenkommen. „Wir haben das hier ganz bewusst niederschwellig aufgezogen. Das zeigt, dass hier ganz viel Platz ist für Integration“, sagt Meyer.

Kinder und Jugendliche können mitbestimmen

Der Verein organisierte das Camp in Zusammenarbeit mit der Sozialeinrichtung Bonveno, die die Unterkunft an der Europa-Allee betreibt. Auf dem Hagenberg sollen die Kinder und Jugendlichen grundlegende Dinge wie Respekt oder Fairness lernen – quasi „Begegnung durch Bewegung“, wie Meyer sagt: „Sport ist unser Mittel. Wir zeigen hier, dass Integration durch Sport am leichtesten geht.“

Die integrative Arbeit werde vor allem auf dem Hagenberg benötigt, sagt Meyer: „Der Bedarf hier ist am größten.“ Nicht nur wegen der Flüchtlingsunterkunft, sondern auch wegen des benachbarten Holtenser Bergs – einer Wohngegend, die von Einwanderung geprägt sei, sagt Meyer: „Mit dem Sommercamp zeigen wir, dass hier auf dem Hagenberg viel mehr geht.“

Für die Kinder und Jugendlichen war die Teilnahme an dem Feriencamp kostenfrei. Die Kosten für das Projekt erhielt Grün-Weiß aus verschiedenen Fördertöpfen der Stadtverwaltung und des Landessportbundes. Knapp 17.000 Euro haben diese bereitgestellt. „Aus diesen Förderprogrammen versuchen wir, Begegnung und Bewegung zu schaffen“, sagt Meyer.

Einen großen Teil davon kam auch von der Bundesliga-Stiftung. Knapp 600 Vereine hatten sich zuvor um eine Förderung bei der Bundesliga-Stiftung beworben. 26 Vereine erhielten am Ende Geld. Einer davon war Grün-Weiß Hagenberg. Doch warum gerade Hagenberg? Die Antwort ist leicht, findet Meyer: „Weil unser Konzept einfach geil ist.“

Wie es bei den Kindern ankommt

Er und sein Organisationsteam setzen auf die eigene Mitbestimmung der Kinder. Die können etwa einfach Wünsche äußern, welche Sportarten sie gerne machen wollen oder was sie am liebsten zum Mittagessen möchten. Das sei bei den Teilnehmern auch immer gut angekommen, wie Meyer erzählt: „Darauf haben wir immer ein super Feedback bekommen.“

Generell hätten Meyer und sein Team viele positive Rückmeldungen erhalten: „Die Ferien gehen zu Ende und hier sind immer noch viele Kinder. Deswegen glaube ich schon, dass das ganz gut angekommen ist“, sagte Uwe Richter, Vorsitzender der SG Grün-Weiß. Lediglich die Hitze habe die Stimmung der Kinder an einigen Tagen gedrückt. „Wir wissen, dass einige Kinder deswegen nicht hier waren. Die klimatischen Bedingungen waren für sie einfach zu schwierig.“ Und: Als wegen der wiederholten Sprengung von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg an der Leinebrücke des Autobahnzubringers die Hagenbergschule evakuiert werden musste, musste das Camp umziehen, zum Beispiel in die Unterkunft an der Europa-Allee.

Warum sie sich engagieren

Weshalb ist Richter und Meyer ihr Engagement in der Integrationshilfe eigentlich so wichtig? „Ich selbst bin damals nicht so gut betreut worden und wollte das besser machen“, sagt Richter. Er selbst ist auf dem Holtenser Berg aufgewachsen. Seitdem er 16 Jahre alt war, engagiere er sich – und das bis heute: „Es ist mein Ziel, sozial auffällige Kinder, die es hier vermehrt gibt, zu integrieren. Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.“

Er mache sich nicht viele Gedanken darüber. Für ihn sei Integration selbstverständlich. „Das sind Menschen, die nicht zum Spaß hierher kommen, sondern wegen ernster Hintergründe“, sagt er.

Ähnlich sieht Meyer seine Hilfe: „Wer Demokratie als wichtig erachtet, muss integrativ arbeiten. Das erkennen nicht nur wir, sondern auch unsere Partner.“ Deswegen würden Meyer und Grün-Weiß viel ehrenamtliche Arbeit in die Integration einbringen: „Das ist unsere gesellschaftliche Pflicht.“

Quellenangabe: Göttinger Tageblatt vom 11.08.2026, Seite 10

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